Born in the GDR…

Als Kind der „neuen Bundesländer“ ist mir mittlerweile immer ein bisschen mulmig, wenn man mich fragt, wo ich herkomme. Die Reaktionen auf meine Antwort reichen von interessiert-freundlich über abschätzend-reserviert bis hin zu mehr oder weniger offener Ablehnung.

Es folgen die lustigsten, interessantesten und dümmlichsten Aussagen, die ich mir im letzten halben Jahr in meiner neuen Heimatstadt habe anhören dürfen. Sie sind natürlich mal mehr, mal weniger mit einem Augenzwinkern zu verstehen:

    „Wo kommt Nicole denn her?“ – „Die is frisch importiert, ausm
    Osten.“

Ich: „Wir spielen heute Abend Singstar…“

Kommilitonin: „Was spielen wir???“

I: „Ähm, Singstar.“

K: „Waaaas?“

I: „Singstar…du weißt schon, … Karaoke.“

K: „Ach sooo. Na entschuldige, wenn deine englische Aussprache so schlecht ist, kann ich das auch nicht verstehen. Wahrscheinlich hat man euch das ja im Osten nicht richtig beigebracht.“

Selbe junge Dame, ein paar Minuten später affektiert gestikulierend über meinen mecklenburgischen Akzent und den Akzent einer aus
Sachsen stammenden Kommilitonin:

    „Also, iiich…als Westdeutsche…sage euch: Lernt mal Deutsch!“

Ich: Also, bei mir in der Schule gab es Lehrer, die haben manchmal einfach ganze Absätze in Arbeiten durchgestrichen.“

Kommilitone: „Nee, solche Ostmethoden gab’s bei uns nicht.“

    Kommilitone: „Nicoooole?

    Ich: „Jaaah?“

    K:. „Sag mal, sagst du eigentlich auch Viertel zwölf und so?“

    I: „Nee.“

    K.: „Und sachst du auch „Broiler“?

    I: „Nee.“

    K.: „Was bist du denn für’n Ossi?!“

Kommilitonin: „Sach mal, Nicole, stimmt das, dass Greifswald immer noch in Sektoren eingeteilt ist?“

    „Du, Nicole, weißt du was? Ich krieg bald noch ne neue Katze. Die     is’n Ossi. Bin mal gespannt, ob meine Katze mit Ossis              klarkommt.“

Und jetzt der Klassiker. Immer wieder komme ich natürlich in Situationen, in denen ich nach meiner Heimatstadt gefragt werde. Die schönsten Antworten hier:

„Schwerin? Das ist doch an der polnischen Grenze, oder?“

„Schwerin? Liegt gleich neben Berlin, ne?“

„Schwerin? Ah ja, ich war mal in Dresden, das ist doch gleich nebenan.“

Und die Antworten, die mich am meisten erstaunt haben (unabhängig von der Ost-West-Problematik):

„Ah ja, Schwerin. Gibt’s das „Gummibärchen“ noch?“

„Schwerin, ja. Schön da, die ganzen Seen und so. Aber der Große Dreesch ist ja nicht so schön. Und die Straßenbahnen sind so laut.“ : )

To be continued…

31.1.08 11:28

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


bernd (31.1.08 11:48)
Ja schlim 60 Milionen deutsche können kein Ostdeutsch
http://www.myvideo.de/watch/195099


die bessere Hälfte zur Website (2.2.08 23:07)
Ahhhhh, also wenn ich das lese, krieg ich ja gleich die Krise. Ich als Schwerinerin in sogenannten "Westen" muss mir auch hin und wieder so etwas anhören und ich denke immer nur: Warum ist euer Horizont so klein, nach fast 20jähriger Einheit?! Warum wird es immer noch so thematisiert?!

Vor kurzem habe ich mit einer "westdeutschen" Kommilitonin über den Geschichtsunterricht in der Schule gesprochen und da meinte ich ganz beiläufig, dass wir gar nicht so viel über DDR-Geschichte gesprochen haben aufgrund des engen Zeitplans und da sagte sie doch ernsthaft: "Naja, ist ja bestimmt auch bisschen schwierig, da sind doch bestimmt noch viele alte Lehrer bei euch, die in der DDR gelebt haben und die dann noch so andere Ansichten haben, so wie damals, als die zur Zeit Hitlers auch das Falsche im Unterricht gelernt haben. Wurden die etwa nicht ersetzt nach der Wende, die dürften doch gar nicht mehr unterrichten?" Hallo?! Gehts noch? Was glauben die denn, was hat die denn bitte für einen Eindruck vom DDR-Leben bzw dem Staatssystem, dass diesen Vergleich zieht. Es ist jawohl ein erheblicher Unterschied, ob ich nationalsozialistische Ideologie vermittelt bekomme oder jemand was von Marxismus erzählt?! Die dachte ernsthaft, wir hätten fast ausschließlich Kommunisten, die uns unterrichten. Mal ganz davon abgesehen, dass ich in meiner Schullaufbahn nicht einen Lehrer erlebt habe, der unsere DDR-Geschichte nicht kritisch beleuchtet hätte...

Aber ich habe ab und zu mit Vorurteilen zu kämpfen oder eher mit purem Unwissen, was manchmal sehr verletztend sein kann. Nun ja, inzwischen lerne ich es auch zu ignorieren und bin sehr froh darüber, dass die "Nicht-Ossis", die ich dort kennengelernt habe und als Freunde gewinne, dann durch mich sehen, dass wir ganz stinknormale Menschen sind


(2.2.08 23:08)
da sollte stehen, die bessere Hälfte zur Website-Besitzerin


bessere Hälfte der Website-Bes (2.2.08 23:11)
Da fällt mir noch was ein, weil du erzählst, dass die Leute zum Teil nicht mal wissen, wo Schwerin liegt. Also WIR haben im Unterricht ja noch die Bundesländer mit Hauptstädten gelernt und ich kann sie auch jetzt noch zuordnen, und das, obwohl unser Unterricht bestimmt qualitativ schlechter war.


bessere Hälfte der Website-Bes (2.2.08 23:18)
Vielleicht kannst du deinen Kommilitonen, die mit den Bundesländern nicht so gut zurecht kommen, diese Seite zum Üben empfehlen:

http://www.peenetal-schule.de/Die_Regionale_Schule/Quiz/geo_01.htm


WG-Muddi / Website (10.2.08 11:31)
OK, ich möchte mich mal als "Unwissende" outen. wobei ich glaub ich keinen dieser Sprüche rausgehauen habe. Aber ich wusste auch nicht, dass Schwerin "im Osten" liegt. (Meine Erdkundekenntnisse lassen ein wenig zu wünschen übrig, ich weiß ) Da darf man sich jetzt überlegen, was schlimmer ist.


Das seh ich erst, wenn ich's g (26.2.08 14:55)
Vielleicht ist Unwissenheit das beste Mittel gegen Intoleranz... ;-) Wenn du nicht weißt, dass ein Schweriner/ eine Schwerinerin aus dem Osten kommt, hälst du dich sicherlich mit ähnlichen Aussprüchen zurück?!
Obwohl - diese Vorurteile entstehen ja dadurch, dass viele Leute einfach von etwas reden, wovon sie offensichtlich keine Ahnung haben. Mit Halbwissen sollte man nicht prahlen!

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