Da hat der alte Mann...

... doch mal ein wahres Wort gesprochen!

"Mein subjektives Empfinden ist, dass die jetzige Generation mit ungleich mehr Druck klarkommen muss, als das in meiner Jugend der Fall war. Zukunfts- und Versagensängste waren zwar auch in der achtzigern ein Thema, jedoch längst nicht in dem Maße, wie es heutzutage der Fall ist. Dazu kommen die soziale Auslese, der Markenwahn, die Wertigkeit nach Größe des Geldbeutels und viele andere Dinge, die es bis dato noch nicht in dieser Intensität gab.

Ihnen begegnen die jungen Menschen kaum mehr mit Renitenz und Rebellion, sondern mit Gehorsam, Anpassung und erhöhter Leistungsbereitschaft. Sie verstärken den Druck auf sich selbst sogar noch zusätzlich, wenn es darum geht, unter ihren Altersgenossen die Nase vorn zu haben.

In so mancher Jugendstudie wird diese Leistungsbereitschaft, sowie im weiteren Zuge das Streben nach Sicherheit und traditionellen Werten, als rundum positiv dargestellt, dabei wird leider oft übersehen, wie dramatisch es sein kann, wenn Jugendliche an dieser Aufgabe scheitern.

Dann wird dichtgemacht, und hinter verschlossener Tür geht es zum Flatratesaufen, Drogen nehmen, Killerspiele zocken und Leute verprügeln – um jetzt mal in einem Atemzug sämtliche negativen Klischees zu bemühen, die man ebenso mit der heutigen Jugend in Verbindung bringt.

[...]

Ich kenne sie auch nicht, die Ursachen, aber vielleicht sollte man mal bei unserem Bildungssystem anfangen. Oder ist es etwa nicht so, dass jemand, der mit 11 Jahren in die Hauptschule kommt, schon sehr früh einen Verliererstempel auf der Stirn trägt, den er nie wieder los wird? Wie soll man unter diesen Vorzeichen auch nur ein Fünkchen Optimismus entwickeln? Für die Statistik ist man dann irgendwann, wenn es ganz schlecht läuft, einer dieser "jugendlichen Gewalttäter aus bildungsfernen Schichten".

Und apropos: Wie ist er denn, der Umgang mit Gewalt in unserer Gesellschaft, wenn die Nachrichten beim Privatfernsehen zu den grausamsten Dingen gehören, die man auf einem Bildschirm gucken kann?"

Das unterschreibe ich mit Ausrufezeichen und habe dem nichts hinzuzufügen außer der

Quelle

1 Kommentar 6.4.08 23:06, kommentieren

Music was my first love...

Es ist schön, wenn man sich selbst immer noch überraschen kann.

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine CD bestellt, dessen Interpreten ich nur vom Hören-Sagen kannte... und siehe da: Auf dieser Platte befindet sich die Musik, die mich das erste Mal seit Jahren wieder vom ersten Moment an richtig weggeblasen hat. Jetzt laufen diese 30 Minuten Kunst in Endlosschleife im Player.

Was täte ich nur ohne Musik?

 

Aufgewacht auf Sand

Auf einmal ist es Frühling

Die Tage werden lang

Alle Fenster stehen auf kipp

Die Tassen nicht im Schrank

 

Und du träumst,

Dass, woran du dich festhältst

Nur eine lauwarme Heizung ist

 

Eingeschlafen und

Aufgewacht auf Sand

Den Wellen in der Nacht

Hinterher gerannt

 

Auf einmal wird es Morgen

Und ein neuer Tag

Auf der Straße wird gestritten

Das hallt die Häuserwände lang

 

Und du träumst

Dass, was du nicht loslässt,

Nur ein Stückchen Treibholz ist

 

Und du kennst das Gefühl

Von fremd in der Welt

Und manchmal gibt es einfach

Gar nichts, was dich hält

Und alles, was du willst,

Das ist dir selbst zu viel

Doch darum geht's gerade nicht jetzt

Oder nie

- Niels Frevert; sehr zu empfehlen

3.4.08 15:55, kommentieren

Born in the GDR…

Als Kind der „neuen Bundesländer“ ist mir mittlerweile immer ein bisschen mulmig, wenn man mich fragt, wo ich herkomme. Die Reaktionen auf meine Antwort reichen von interessiert-freundlich über abschätzend-reserviert bis hin zu mehr oder weniger offener Ablehnung.

Es folgen die lustigsten, interessantesten und dümmlichsten Aussagen, die ich mir im letzten halben Jahr in meiner neuen Heimatstadt habe anhören dürfen. Sie sind natürlich mal mehr, mal weniger mit einem Augenzwinkern zu verstehen:

    „Wo kommt Nicole denn her?“ – „Die is frisch importiert, ausm
    Osten.“

Ich: „Wir spielen heute Abend Singstar…“

Kommilitonin: „Was spielen wir???“

I: „Ähm, Singstar.“

K: „Waaaas?“

I: „Singstar…du weißt schon, … Karaoke.“

K: „Ach sooo. Na entschuldige, wenn deine englische Aussprache so schlecht ist, kann ich das auch nicht verstehen. Wahrscheinlich hat man euch das ja im Osten nicht richtig beigebracht.“

Selbe junge Dame, ein paar Minuten später affektiert gestikulierend über meinen mecklenburgischen Akzent und den Akzent einer aus
Sachsen stammenden Kommilitonin:

    „Also, iiich…als Westdeutsche…sage euch: Lernt mal Deutsch!“

Ich: Also, bei mir in der Schule gab es Lehrer, die haben manchmal einfach ganze Absätze in Arbeiten durchgestrichen.“

Kommilitone: „Nee, solche Ostmethoden gab’s bei uns nicht.“

    Kommilitone: „Nicoooole?

    Ich: „Jaaah?“

    K:. „Sag mal, sagst du eigentlich auch Viertel zwölf und so?“

    I: „Nee.“

    K.: „Und sachst du auch „Broiler“?

    I: „Nee.“

    K.: „Was bist du denn für’n Ossi?!“

Kommilitonin: „Sach mal, Nicole, stimmt das, dass Greifswald immer noch in Sektoren eingeteilt ist?“

    „Du, Nicole, weißt du was? Ich krieg bald noch ne neue Katze. Die     is’n Ossi. Bin mal gespannt, ob meine Katze mit Ossis              klarkommt.“

Und jetzt der Klassiker. Immer wieder komme ich natürlich in Situationen, in denen ich nach meiner Heimatstadt gefragt werde. Die schönsten Antworten hier:

„Schwerin? Das ist doch an der polnischen Grenze, oder?“

„Schwerin? Liegt gleich neben Berlin, ne?“

„Schwerin? Ah ja, ich war mal in Dresden, das ist doch gleich nebenan.“

Und die Antworten, die mich am meisten erstaunt haben (unabhängig von der Ost-West-Problematik):

„Ah ja, Schwerin. Gibt’s das „Gummibärchen“ noch?“

„Schwerin, ja. Schön da, die ganzen Seen und so. Aber der Große Dreesch ist ja nicht so schön. Und die Straßenbahnen sind so laut.“ : )

To be continued…

8 Kommentare 31.1.08 11:28, kommentieren

Neu Ja(hr) !?

Das neue Jahr ist noch nicht mal einen Tag alt. Da möchte ich das alte doch noch mal resümieren.

Es gab bisher in meinem Leben noch nie ein Jahr, in dem so viel passiert ist und von dem mir doch so wenig in Erinnerung geblieben ist.

Es kommt mir beinahe vor, als hätte ich die Abitur-Prüfungen in einem früheren Leben geschrieben, so sehr sind die Gedanken daran schon verblasst. Es verging alles irgendwie so verdammt schnell, dass ich scheinbar nicht einmal wirklich Zeit hatte, das Erlebte in Erinnerungen unterzubringen.

Noch ist alles wirklich unwirklich. Erstaunlicherweise empfinde ich in keinster Weise das Gefühl bei mir zu Hause nur zu Besuch zu sein, seit ich über Weihnachten und Neujahr wieder hier bin. Es fühlt sich unverändert wie "zu Hause" an. Darüber bin ich eigentlich auch ganz froh. Ich habe beinahe vergessen, dass es da in einer mehr als hundert Kilometer entfernten Stadt auch noch eine Wohnung gibt, an deren Tür mein Name steht.

Für das neue Jahr habe ich weniger gute Vorsätze als viel eher ein paar Wünsche:

Ich wünsche mir, dass ich mehr gute Tage haben werde als schlechte. Das Gleiche gilt für meine Gedanken und Gefühle.

Ich wünsche mir, dass ich endlich bewusst in meiner neuen Wahlheimat "ankomme".

Ich wünsche mir, dass ich endlich lerne, die Eigenarten und Fehler von Menschen akzeptieren zu können. Mich nicht gleich abwende, sondern ihnen mehr Chancen gebe.

Ich wünsche mir, dass mir die Menschen, die mir wichtig sind, erhalten bleiben und dass es ihnen gut geht.

Und vor allem wünsche ich mir, (die) Zeit zu leben. In jeder Form.

 

 

"Du bist, der du bist! Was hilft es, über das Meer zu setzen und den Wohnort zu wechseln? Wenn du dem, was dich drückt, entgehen willst, so musst du nicht an einem anderen Ort sein, sondern selbst ein anderer sein. Deine Reisen werden dir keine Erleichterung schaffen; denn du reisest mit deinen Leidenschaften, und deine Übel folgen dir nach."

-Seneca

2 Kommentare 1.1.08 15:08, kommentieren

Fernfreundschaft

Wenn die Kommunikation nur noch über das Internet oder in Ausnahmefällen per Telefon erfolgt, kann das nicht gut für eine Freundschaft sein.

Jahrelang hat man sich nahezu jeden Tag gesehen. War höchstens im Sommer mal ein paar Wochen getrennt. Teilte mehr oder weniger ein Leben.

Jetzt, wo sich der Lebensmittelpunkt in unterschiedlichen Städten befindet, scheint es äußerst schwer zu sein, die Intensität einer Freundschaft zu erhalten und die raren Gespräche nicht im Small-Talk-Sumpf enden zu lassen.

Das Internet leistet seinen Beitrag und löst Missverständnisse aus. Die Leben scheinen selbstbestimmt in verschiedene Richtungen zu driften.

Es hat jetzt fast ein halbes Jahr gebraucht, bis mir diese Entwicklung bewusst geworden ist. Kann man da noch was retten?

Ja, wir müssen wieder mehr telefonieren.

3 Kommentare 21.12.07 23:42, kommentieren

Großstadtkinder

Das Leben in einer Großstadt unterscheidet sich schon ziemlich von der Kleinstadt-Idylle. Es ist beängstigend, unter welchen Lebensumständen hier scheinbar wirklich viele Leute leben müssen.

Vor ein paar Tagen habe ich in der U-Bahn-Station eine Frau gesehen, die angespannt irgendetwas aus einem Mülleimer fischte und es sich dann hektisch in den Mund steckte, als ob jeden Moment jemand auftauchen würde, der es ihr wieder wegnehmen könnte. Als sie fertig war, machte sie sich sofort auf zum nächsten Mülleimer.

Eine Station weiter sah ich, wie ein Nahverkehrs-Mitarbeiter gerade die Mülltüten aus den Eimern entfernte. Unweigerlich ging mir da der Gedanke durch den Kopf, ob dadurch jetzt irgendjemand sein Abendessen verlor.

Auf der anderen Seite kommt es mir auch so vor, als gäbe es hier viel mehr psychisch kranke Menschen. Es passiert mir ständig, dass mir Leute entgegen kommen, die angestrengte Diskussionen mit sich selber führen.

Da frage ich mich, ist das ein Phänomen der Großstadt an sich? Macht dieser ständige Widerspruch zwischen Menschenmassen und Anonymität die Menschen krank? Oder liegt es einfach nur daran, dass hier mehr Leute leben und mir schlicht aus diesem Grund mehr von diesen Menschen begegnen?

1 Kommentar 20.12.07 14:07, kommentieren